Denkanstoß im Treppenhaus

Nach und nach tauchten sie an allen möglichen Ecken und Winkeln auf. Jetzt kann man kaum noch durch das Schulhaus gehen, ohne auf eine papierene Gestalt an der Wand zu stoßen:

Ein Kunstprojekt des 11. Jahrgangs im öffentlichen Raum – unserer Schule.

Die Grundaufgabe war in allen vier Kunstkursen ähnlich. Eine Figur sollte lebensgroß im Zusammenhang mit einem Gegenstand dargestellt werden. In drei Kursen wurde zudem eine Zweckentfremdung des Gegenstands gefordert. Der Gegenstand sollte also von seiner ursprünglichen Funktion gelöst und in einen neuen Kontext gesetzt werden. Außerdem sollte ein Raumbezug zum Ausstellungsort hergestellt werden.

Die Kunstwerke sollen den Betrachter zum Denken anregen. Es war nicht schwer in den Pausen festzustellen, dass dies ohne Ausnahme gelungen ist. Manche Installationen üben Kritik, manche geben Mut, andere heitern den Schulalltag durch ein hervorgerufenes Lächeln oder Lachen auf.

Da viele Kunstwerke nicht lange/ gar nicht in ihrer vollständigen Form zu sehen waren, möchten wir einige erneut zeigen:

Viele von uns haben die Erfahrung gemacht, dass die Aufgabe und der Raumbezug sehr inspirierend waren und zu neuen unerwarteten Bildideen führten. Auch die ungewohnte Größe der Arbeit hielt viele Herausforderungen bereit. Wir erarbeiteten unsere Figuren zunächst im kleinen Format und übertrugen sie dann mit Hilfe von Overheadprojektoren auf große Papierbahnen. Manche von uns entschieden sich dazu den Originalgegenstand nicht zu nutzen, sondern zeichnerisch abzubilden.

Nach der farblichen Ausarbeitung mussten die Figuren gemeinsam mit dem Gegenstand am gewünschten Ort installiert werden. Trotz der großen Klebeband-Auswahl war das nicht so leicht wie gedacht und jeder war froh, als die Figur und vor allem der schwere Gegenstand nicht mehr in sich zusammensackten oder zumindest für kurze Zeit nicht von der Wand schwebten.

Ich denke, dass wir alle bei dieser großen Arbeit ein Stück über uns herausgewachsen sind und sehr stolz auf uns sein können.

Nachdem wir unsere Werke im Gebäude der Schulgemeinschaft überlassen hatten, war es fantastisch, so viel Feedback von Schülern und Lehrern zu bekommen, auch wenn dieses manchmal nur zufällig von uns mitgehört wurde. Trotzdem haben wir nicht nur positive Erfahrungen gemacht:

„Kunst im öffentlichen Raum ist allen Emotionen direkt ausgesetzt“, so unser Kunstlehrer Herr Ramm. Leider wurden viele Arbeiten innerhalb weniger Tage beschädigt, sowohl aus Versehen als auch mit Absicht. Der fehlende Respekt vor der langen Arbeit hat uns an manchen Stellen enttäuscht, aber das ist es, was die Kunst im öffentlichen Raum ebenso ausmacht: sie taucht an unerwarteten Stellen auf, überrascht und ist eben nur temporär.

Carla Moritz (11e)

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