Die Fahrt nach Krakau/ Auschwitz 2019

Montagmorgen, 5:45 Uhr in Halle Saale. Man kann sich die über vierzig verschlafenen Gesichter sicherlich gut vorstellen, die am Bahnhof standen und nach und nach in den Bus einstiegen.
Damit ging unsere Reise nach Krakau los. Je 20 Schüler aus der Latina und natürlich aus dem Elisabeth-Gymnasium, sowie zwei Lehrer für jede Schule, zwei Studenten und Bruder Clemens, der im Gegensatz zu uns bereits am frühen Morgen putzmunter schien.
Nachdem die meisten Schüler etwas Schlaf nachgeholt hatten, folgte auch schon der thematische Einstieg zur Krakau-Auschwitz-Fahrt: „Schindlers Liste“. Der Film von Steven Spielberg wurde nicht zum ersten Mal auf einer solchen Fahrt gezeigt, doch viele von uns sahen ihn zum ersten Mal. Tatsächlich blieb es in den über drei Stunden, die der Film ging, von einem kurzen Busstop unterbrochen, relativ ruhig im Bus.
Gegen 17:00 Uhr war es dann soweit, endlich hatte die lange Fahrt ein Ende und das Hotel wurde besichtigt, oder zumindest wurden die Sachen auf die Zimmer gebracht, denn dann ging es auch schon los zum Essen. Von diesem hatte Bruder Clemens mehr als einmal geschwärmt, trotzdem kam das Menü mit Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch für viele unerwartet.
Danach blieb kaum Zeit zur Pause, denn eine Stadtführung stand auf dem Plan. Also rein in den Bus, vorbei an den Universitäten, hinein in die Altstadt. Dort teilten wir uns in die Schulen auf, bevor es losging, um sich diverse Bauten anzusehen. Nachdem die historische Innenstadt im strömenden Regen besichtigt worden war, ging es für alle, die wollten, wieder zurück ins Hotel, wobei der Fußweg mehr Zeit in Anspruch nahm als anfangs erwartet.
Am nächsten Morgen hieß es dann auch wieder früh aufstehen, denn um 7 Uhr gab es Frühstück. Danach stand der Besuch des ehemaligen jüdischen Viertels auf dem Plan, wobei es dort heute kaum noch Juden gibt. Die vermeintlichen jüdischen Restaurants vermittelten jedoch einen anderen Eindruck. Wir gingen die Synagogen, die dort gebaut worden waren, ab, von denen jedoch nur eine wirklich in Benutzung war. In den anderen befanden sich Ausstellungen, Bücherläden, …
Die Führung endete auf dem Sammelplatz des ehemaligen Ghettos von Krakau. Dort holte uns der Bus wieder ab und dann waren wir zum ersten Mal in Auschwitz. In zwei Gruppen unterteilt, mit Audioguide und Kopfhörern ausgestattet, ging es durch Ausschwitz I. Wie nahe uns die Ausstellungen und vor allem die Spuren dieses Horrors, die kaum die unglaubliche Dimension beschreiben konnten, gingen, bemerkte man bei der anschließenden Besprechung. Es war sehr angenehm, sich danach im Hotel beim Essen und in der Zeit bis zur Nachtruhe mit ganz anderen Dingen beschäftigen zu können: einkaufen oder spazieren gehen, quatschen oder Karten spielen.
Am Mittwoch ging es dann gleich nach dem Frühstück wieder nach Auschwitz I, wo zwei Workshops mit historischen Arbeiten auf uns warteten. Im ersten Workshop beschäftigten wir uns vorwiegend mit dem Schicksal von Frauen und Kindern in Auschwitz, wohingegen es im zweiten Workshop um Einzelschicksale und deren Rekonstruktion ging. Der zweite Teil des Tages, welcher nach dem Mittagessen beim Bus startete, ging in Kleingruppen los. Wir hatten die Möglichkeit, uns die einzelnen Ausstellungen noch einmal anzusehen. Erstaunlich war, wie stark sich die Ausstellungen unterschieden und wie viele unterschiedliche Eindrücke dieses Schreckens sie hinterließen. Natürlich wurde auch dieser Tag im Gesprächskreis beendet. Man kann sagen, dass der Schock etwas nachgelassen hatte, doch das Unverständnis blieb.
Danach war wieder freie Zeit angesagt, die betrübte Stimmung schien langsam zu verfliegen.
Bruder Clemens hatte bereits am Anfang erwähnt, dass wir uns Stück für Stück nach vorne wagen würden, und unser nächster Schritt bestand aus Auschwitz Birkenau am darauffolgenden Tag. Dort zu stehen und die einzelnen Schornsteine nach oben ragen zu sehen, durch die noch bestehenden Baracken geführt zu werden, so weit zu laufen, ohne das Lager zu verlassen, war einfach unfassbar. Die Frage nach dem ‚Warum?‘ wurde auch in unserer Andacht gestellt, denn sie spukte vielen von uns im Kopf herum. Diese Ausmaße zu sehen und zu wissen, dass dieses nicht das einzige Lager war… Das war eigentlich unvorstellbar. Bei der letzten Besprechung der Fahrt am Donnerstagabend gab es wieder neue Gedanken und Fragen und gleichzeitig zeigte sich, dass niemand von uns bereute, an dieser Fahrt teilgenommen zu haben.
Der letzte Abend im Hotel ging wieder wie gewohnt um und dann hieß es auch schon frühstücken, Koffer in den Bus laden und mit Bus und Bahn zu Schindlers Fabrik.
Unsere Führung dort, die letzte dieser Fahrt, war leider zeitlich begrenzt und beleuchtete noch einmal Krakau als Stadt unter der Fremdherrschaft der Deutschen, Schindlers Fabrik stand dabei jedoch eher im Hintergrund. Anschließend hieß es noch Gruppenfoto machen und dann in kleineren Gruppen durch Krakau. Ob man noch einmal ein Museum besuchte, Kutsche fuhr oder shoppen ging, war jeder Gruppe freigestellt. So vergingen auch die letzten Stunden in Krakau recht rasch, bevor es dann zum Bus ging. Gegen halb vier morgens kamen wir dann wieder in Halle am Busbahnhof an. Damit war unsere Studienfahrt dann vorbei, doch die Erinnerungen und Erfahrungen wird keiner von uns so schnell wieder vergessen.

Abschließend möchten wir uns im Namen aller für die großzügige Förderung der Fahrt bedanken. Unterstützt wurden wir finanziell von der Heinrich-Böll-Stiftung in Halle und der IBB gGmbH, dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund, das seine Mittel aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) erhält. Die Landeszentrale für politische Bildung und die Geschichtswerkstatt Merseburg waren hilfreiche Partner in allen Fragen der Organisation und Beantragung.

Dorothea Fritz(11)
Magdalena Tanneberger (11)

 

 

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