Fridays for Future: Für welche Zukunft lernen wir?

Natürlich ist der Klimawandel ein stets präsentes Thema in Nachrichten, der Gesellschaft und Gesprächen. Doch derzeit wird jenseits von Brexit auch besonders viel um Klimaschutz und Kohleausstieg gestritten. Dabei gibt es unterschiedliche Ansichten, in welchem Zeitraum die Kohlekraft durch erneuerbare Energien ersetzt werden soll . Einige wehren sich auch generell gegen diesen Kohleausstieg. Doch „Fridays for Future“, eine Initiative von Schülern, richtet sich gegen einen weiteren unverantwortlichen Umgang mit der Umwelt, unserer Umwelt. Initiiert wurde die Schülerbewegung von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, welche Streiks vor ihrem Parlament für eine sinnvollere Zukunftsinvestition hält als die Schule, zumindest freitags.

Daraufhin wurde aufgerufen, deutschlandweit am 18. Januar 2019 zu demonstrieren und es ihr gleich zu tun. Dazu bildeten sich in allen größeren Städten Deutschlands Ortsgruppen aus Interessierten, um durch ein flächendeckendes Auftreten eindrucksvoll für mehr Klimaschutz einzutreten. Auch in Halle entstand eine Gruppe und es wurde über die Organisation und das Thema diskutiert.

„Als Schüler ist man natürlich auch aufgefordert, sich ein eigenes Bild vom Thema ,Kohleausstieg‘ zu machen“, das betonte Matti Ueberschär als Schülersprecher des ELGs. Dies sei eine Bedingung, wenn er um Freistellungen für die Demo bei der Schulleitung bete. Er sagte auch ganz klar, dass keiner der Schüler eine solche Möglichkeit als Freistunde ausnutzen solle. Zugegebenermaßen ist das auch nicht nur ein Verrat an der Schule, den man als Schüler vielleicht leichtfertig hinnimmt. Es ist auch ein Verrat am Thema – unserer Umwelt und dem Naturschutz.
Auch ein bedingungsloser Ausstieg könne durchaus nicht so schnell umgesetzt werden, wie einige es fordern, so Matti. Trotzdem entschied er sich auch wegen der Zustimmung der Schüler, sich an die Schulleitung zu wenden. Etwas überstürzt wurde bei der Schulleitung angefragt, ob man die Schüler nicht an diesem Freitag von der Schule freistellen könne, schließlich handle es sich ja um ein Demonstrationsthema von großer Bedeutung.

Auch SchülerInnen unserer Schule nahmen am vergangen Freitag am Schulstreik für mehr Klimaschutz teil.
Auch SchülerInnen unserer Schule nahmen am vergangen Freitag am Schulstreik für mehr Klimaschutz teil. (Foto: Benedikt Fassian)

Ein bisschen überraschend hingen dann am nächsten Tag Namenslisten der 11. und 12. Klassen aus. Jeder Schüler, welcher teilnehmen wollte, musste lediglich hinter seinem Namen unterzeichnen und war damit für die Demonstration befreit. Das galt allerdings ausschließlich für die Schüler der Oberstufe. Schüler aus 10. Klasse und darunter bekamen keine Möglichkeit, hier ein Zeichen für eine verantwortlichere Klimapolitik zu setzen. Verständlicherweise traf diese Entscheidung der Schulleitung gerade in der Mittelstufe auf Verärgerung, wollte man doch auch teilnehmen und nicht nur die Schule schwänzen.

Da der 10. Jahrgang allerdings im Sozialpraktikum eingebunden war, betraf es nur die Jahrgänge darunter. In diesen Jahrgängen könne man eine Befreiung nicht so einfach erlauben, erklärte Herr Mingenbach. „In der Unter- und Mittelstufe sind Regeln der Aufsichtspflicht verstärkt zu beachten. Eltern vertrauen darauf, dass ihre Kinder zur regulären Unterrichtszeit von der Schule beaufsichtigt sind.“ Insbesondere innerhalb weniger Tage sei es deshalb nicht möglich gewesen, eine „Beurlaubung“ für alle Jahrgänge zu erlauben. In der Oberstufe werden hingegen entsprechende Freiheiten und ein Einschätzungsvermögen der eigenen Prioritäten anerkannt. „Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 11 und 12 binden wir traditionell stärker in eine Selbstverantwortung ein“, erklärte Herr Mingenbach dazu.

Auf das Ziel der Demo machen zahlreiche Plakate aufmerksam: darunter Sprüche wie „Its our Fucking Future“ oder „Stoppt den Klimawandel“ (Foto: Dominik Haberland)

Die Freigestellten jedoch bekamen am Freitag in der 3. und 4. Stunden die Möglichkeit, an der Demonstration teilzunehmen. Gut die Hälfte der Schüler der Oberstufe nahmen diese an und fuhren also nun umweltschonend mit Bahn oder Fahrrad zum Marktplatz. Die Schülergruppe vor dem Ratshof war zwar eindeutig zu erkennen, der erste Eindruck von der Anzahl der Schüler reichte allerdings nicht ganz an die Erwartungen heran. Da gab es aus anderen deutschen Städten vergleichbarer Größe doch etwas eindrucksvollere Bilder auf Twitter und Facebook zu sehen. Einige gut vorbereitete Schüler hatten auch Plakate und Transparente gestaltet, um auf die Forderungen von „Fridays for Future“ aufmerksam zu machen. Zwar hätte die musikalische Untermalung mit dem Lautsprecher der Grünen Jugend Halle etwas lauter ausfallen können, nach und nach kam die Menschenmenge dann allerdings doch in Bewegung. Wichtig war doch vor allem, dass die Schüler als Menschen auf ihrem Planeten und ihre Forderungen deutlich wurden – und das glückte auf jeden Fall.

Auch auf dem Boden verewigten sich die Demonstranten temporär mit Sprüchen und Zeichnungen“ (Foto: Carla Moritz)

Während der Zeit auf dem Marktplatz konnte man auch immer wieder Reaktionen von Passanten – meistens interessiert – wahrnehmen. Sogar Reporter unter anderem von TV Halle und Radio Sputnik waren anwesend und interviewten die Teilnehmer. Am Nachmittag erschienen dann auch Artikel in den gängigen Medien der Stadt. In den Kommentaren konnte man allerdings nur wenige positive finden. Die Mehrheit der Facebook-Nutzer jenseits ihrer Schulzeit konnten nicht wirklich verstehen, wie man für Klimaschutz zwei Stunden Englisch oder Physik ausfallen lassen könne. Passend dazu nur ein Spruch von „Fridays for Future“: „Für welche Zukunft lernen wir?“

Dominik Haberland (11.)

Morgen findet ein weiterer Streik mit Demonstration in Berlin statt. Diesmal gab es keine Freistellung durch  unsere Schule.

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