Hast du ihn schon? Den Organspendeausweis?

Was bedeutet eine Organspende eigentlich ?

Rund 12.000 Menschen warten zurzeit auf eine Nierentransplantation. Vor drei Jahren gehörte auch die 24-jährige Sarah L. dazu. Eine Blutvergiftung führte bei ihr zu einem Multiorganversagen, da ihre Nieren nicht mehr arbeiteten, musste sie zur Blutwäsche. Hätte sie damals keine Lebendspende von ihrer Mutter bekommen, würde Sarah L. vermutlich noch heute auf eine Spenderniere warten.
Leider haben nicht viele so viel Glück wie Sarah L.

Im letzten Jahr wurden nur rund 2.000 Nieren transplantiert, das ist ein Sechstel des Bedarfs, wobei gleichzeitig auch ungefähr 3000 Patienten neu auf die Warteliste kamen, rund 1000 Patienten verstorben sind oder nach langer Wartezeit zu krank waren, um noch transplantiert werden können. Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Spenderniere eines Verstorbenen beträgt sechs bis acht Jahre, eine Zeit in der viele der Kranken versterben. Ungefähr die Hälfte der Patienten, die an die Dialyse kommen, sind nach fünf Jahren bereits tot. Das kommt der Sterblichkeit bei Krebs gleich.

Es gibt also einen sehr großen Mangel an Spenderorganen, der dazu führt, dass viele Menschen sterben, obwohl eine Behandlung möglich wäre, wenn ein passendes Organ zur Verfügung stehen würde. Und diese Zahlen betreffen nur die Patienten, die eine Niere brauchen. Andere warten auf eine Spenderleber, -lunge oder -herz.
Was kann man gegen diesen Mangel tun? Wie wird jemand zum Organspender?

Für die Organspende nach dem Tod gibt es mehrere Voraussetzungen: Zum einen muss der Hirntod festgestellt worden sein, das bedeutet, alle Funktionen des Gehirns müssen unwiederbringlich ausgefallen sein. Zum anderen muss die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt haben. Das ist zum Beispiel in Form eines Organspendeausweises möglich, den man übrigens schon ab 16 ausfüllen kann. Ist dieser Punkt aber nicht erfüllt, wird der oder die nächste Angehörige gebeten, die Entscheidung nach dem mutmaßlichen Willen der verstorbenen Person zu treffen.

Diese freiwillige Entscheidung für oder gegen die Organspende ist die Entscheidungslösung, die zurzeit in Deutschland gültige Regelung. Kaum in einem anderen Land als Deutschland gilt diese Regelung. Da einem die Entscheidung so nicht aufgezwungen wird, kann man sagen, die Entscheidungslösung ist eine sehr angenehme Lösung für die Bevölkerung. Nur leider führt gerade diese passive Empfehlung, sich mit dem Thema zu beschäftigen, dazu, dass sich die wenigsten damit auseinandersetzen, wenn sie nicht müssen. Viele potenzielle Spender gehen dadurch verloren.
Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen und die Spenderbereitschaft zu erhöhen, wurden in, diesem Jahr schon zwei Gruppenanträge im Bundestag vorgetragen.

Einer nennt sich: „Stärkung der Entscheidungsbereitschaft“. Wie der Name schon sagt, konzentriert sich dieser Antrag hauptsächlich darauf, die Entscheidung zu erleichtern, indem zum Beispiel ein Online-Register eingeführt wird, indem jeder Bürger selbstständig seine Stellung zur eigenen Organspende eintragen kann. Außerdem sollen die Menschen besser über Organspende informiert werden, dazu gehört auch die Verpflichtung von Hausärzten, über dieses Thema zu beraten. Man könnte also sagen, es ist eine erweiterte Form der Entscheidungslösung.

Ein anderer Antrag wurde von Jens Spahn eingereicht. Dieser möchte die doppelte Widerspruchslösung einführen, das heißt, hat der oder die Verstorbene zu Lebzeiten der Organspende nicht widersprochen, gilt er als potenzieller Spender. Natürlich wird, wenn es keine Aussage gibt, auch wieder der oder die nächste Angehörige gefragt, ob die verstorbene Person eine negative Meinung zur eigenen Organspende hatte. Ähnlich wie beim erstgenannten Antrag soll auch hier ein Online-Register eingeführt werden, dass bei diesen Fragen zu Rate gezogen werden soll. Und zusätzlich dazu sollen Bürger ab 16 Jahren dreimal informiert werden, bevor sie aufgefordert werden, eine Entscheidung zu treffen.
Diese Regelung hat sich schon in vielen Ländern bewährt, so zum Beispiel in Spanien, welches im Bereich der Organspende schon lange die Statistiken anführt, während Deutschland eher das Schlusslicht bildet. Zum Vergleich: In Deutschland kommen 11, 5 Spender auf eine Million Einwohner, in Spanien dagegen sind es 46, 9.
Diese große Spenderbereitschaft, an der wir uns durchaus ein Beispiel nehmen können, ist zum einen, wie bereits gesagt, der Widerspruchslösung geschuldet, zum anderen besteht in Spanien die Organisation ONT, übersetzt: Nationale Organisation für Transplantation. Diese ONT koordiniert in Spanien alles im Bereich Organspende, von der Spendererkennung bis hin zur Transplantation. Wird also ein Spender mithilfe der ONT erkannt, muss das Krankenhaus lediglich den Raum für die Entnahme zur Verfügung stellen, alle benötigten Fachärzte, Pflegekräfte und so weiter werden von der ONT gestellt. Auf diese Weise ist es kein finanzieller Nachteil mehr für ein Krankenhaus, einen Spender zu entdecken.

Kurz zur Erklärung: In Deutschland muss ein Krankenhaus für eine OP am bereits verstorbenen Patienten das eigene Personal und Ressourcen zur Verfügung stellen, die dann für die eigentliche Arbeit im Krankenhaus erst einmal fehlen. Ein Programm wie in Spanien wäre also eine deutliche Verbesserung der Organisation innerhalb der Krankenhäuser.
Natürlich ist es für niemanden einfach, sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen, trotzdem ist es meiner Meinung nach durchaus zumutbar, diese Entscheidung zu treffen, schon allein, um den eigenen Angehörigen in so einer Ausnahmesituation diese Entscheidung nicht aufzuzwingen.

Sarah L. hat jetzt seit drei Jahren eine neue Niere, sie führt fast ein ganz normales Leben, kann arbeiten und hat einen einjährigen, gesunden Sohn. Nur die vielen Tabletten die sie jeden Tag einnehmen muss, erinnern sie jeden Tag an das Geschenk ihrer Mutter.

Dorothea Fritz (11)

Hast du ihn schon? Einen Organspendeausweis?

Vielleicht haben es einige von euch schon mitbekommen, denn bei uns in der Schule werden gerade Organspendeausweise von der SV verteilt. Organisiert wurde dies ursprünglich durch Linus Läster und Jakob Pronzynski. Allerdings fand sie relativ schnell einen großen Anklang in der gesamten Schülervertretung.
Doch was ist das überhaupt und was spricht dafür oder dagegen sich einen zuzulegen?
Ein Organspendeausweis legt fest, was im Falle deines Todes mit deinen funktionsfähigen Organen geschehen soll. Damit man selbst in der Lage ist dies zu entscheiden, kann man sich einen solchen Ausweis zulegen.
Damit erfolgt auch eine Entlastung der nächsten Angehörigen, die sonst ein Urteil darüber fällen müssten, ob der Verstorbene als Organspender in Frage kommt. Also dies in dessen Namen festlegen zu müssen.
Einen Organspendeausweis kann man sich bereits ab dem vierzehnten Geburtstag zulegen, wobei aber bis zum siebzehnten Lebensjahr eine Zustimmung der Eltern notwendig ist.
Mit dem Ausweis kann man festlegen:
• ob alle Organe gespendet werden dürften
• ob alle Organe, außer … entnommen werden dürften
• ob nur bestimmte Organe entnommen werden dürften
• ob keine Organe entnommen werden dürften
• oder ob eine bestimmte Person für dich darüber entscheiden darf
Doch worin besteht die große Angst, die viele davon abhält, sich einen Organspendeausweis zuzulegen?
Es gibt die Behauptung, dass wenn man als Spender in Frage kommen würde, die Bemühungen den Patienten am Leben zu erhalten oft von den Ärzten eingeschränkt werden würden.
Dies kann man zwar nicht belegen, aber genauso wenig widerlegen. Darum sorgt dieses Gerücht dafür, dass noch heute viele Leute niemals die ersehnte Spende erhalten können oder darauf angewiesen sind, dass sich in ihrem direkten Umfeld ein potenzieller Spender befindet.
Ich persönlich finde es sehr wichtig einen Organspendeausweis zu besitzen und bin sehr dankbar über das Angebot durch die SV. Selbst wenn man ankreuzt, dass man nicht als potenzieller Spender bereitsteht, kann man dadurch die nächsten Angehörigen entlasten und je nachdem, wie ich mich entscheide Menschen helfen.
Selbst heutzutage, wo man sich kostenlos einen Organspendeausweis zusenden lassen oder ihn einfach ausdrucken kann, besitzen viele Menschen noch keinen. Und ich finde es wichtig, dies zu ändern!

Du hast noch keinen Organspendeausweis? Dann frage doch mal bei unserer SV nach.

Magdalena Tanneberger (11)

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