Im Rudern kann er jedem das Wasser reichen

Tino Kolitscher teilt seine Erfahrungen auf seinem Weg zum Erfolg

Im Laufe der Produktion dieses Heftes erhielt ich die Möglichkeit, dem Leistungssportler Tino Kolitscher ein paar Fragen zu stellen. Der Hallenser war nach seiner Erblindung beim SV Halle sportlich in der Leichtathletik und im Rudern aktiv.
In der Zeit zwischen 2006 und 2017 heimste er viele sportliche Erfolge ein.

Leichtathletik

  • drei Titel als Deutscher Meister (1500 m,
    800 m, Staffel 4 x 200 m) sowie mehrere
    Medaillen bei Deutschen Meisterschaften in
    der Leichtathletik

Rudern (ab 2011)

  • mehrere Podest-Platzierungen bei Welt-Cups
    mit dem Vierer Mixed
  • Paralympics 2012 London: 2. Platz 4er Mixed
  • WM 2014 in Amsterdam: 4. Platz im
    Doppelzweier-Mix
  • Paralympics 2016 Rio de Janeiro:
    4. Platz 4er Mixed

Meine erste Frage galt seinem Entschluss, überhaupt erst Leistungssportler zu werden. Wie
kam er auf diesen speziellen Wunsch?
Tino Kolitscher erklärte, dass in seiner damaligen Leichtathletikgruppe drei motivierte Sportler waren, die 2012 zu den Paralympischen Spielen nach London wollten. Dabei ging ihm auf, dass auch er dahin möchte, aber nicht als Zuschauer, sondern als Sportler. Nachdem er Leichtathletik nicht mehr betreiben konnte, suchte er nach einer Alternative in Wohnortnähe und wurde beim Rudern fündig. Ihm war klar, dass er für die Paralympics in den Hochleistungssport gehen muss; mit mindestens sechs Mal Training pro Woche. Und das neben dem normalen Berufsalltag als Sachbearbeiter bei einer Krankenkasse. Ab Januar 2011 trainierte er für London 2012.
Auf seinem Weg hat Tino Kolitscher von vielen Menschen Unterstützung erhalten. Besonders
Ehefrau Ekaterina und Tochter Maria, der BSSA sowie seine ehrenamtlichen Trainer Carl Ertl und Sandra Germain. Auf die Frage, ob ihn jemand abgebremst hat, antwortete er: „Keiner hat mir Steine in den Weg gelegt“, im Gegenteil. Tino Kolitscher berichtet, wie Thomas Böhme, der damalige Bundestrainer, an ihn geglaubt hat und immer wieder sagte: „Du bist mein Mann für das Boot in London!“.
Auch auf die Frage, ob er schon einmal an einem Punkt gekommen war, an dem er kurz vor
dem Aufgeben war, antwortete er mit einem klaren „Nein“. Die ganze Zeit hindurch hatte er
sein Ziel im Fokus und seine Entwicklung ging stetig nach oben. Gerade die Impulse von Böhme gab ihm viel Motivation, Kraft und den nötigen Ehrgeiz.
Tino Kolitscher ist seit 2017 nicht mehr im Leistungssport aktiv. Sportlich hat er alles erreicht.
Vor allem die Paralympics-Silbermedaille in London im Vierer Mixed und ein unerwartet guter
vierter Platz in Rio de Janeiro 2016 krönen seine Laufbahn.
Über den BSSA sagt er, dass dieser sehr wertvoll war und weiterhin ist. Er hat ihn immer bei
der Organisierung von Veranstaltungen und Trainingslagern unterstützt, finanzielle Beihilfe
geleistet und bei der Trainersuche ebenso geholfen, wie bei der Suche nach einer Bootspartnerin für der Zweier. Er war auch Bindeglied wischen Verein und Bundesverband. Seine Erfahrung mit den Mitarbeitern beschreibt er als „super freundlich, hilfsbereit und engagiert“ und würde sogar selbst gerne beim BSSA arbeiten.
Als letztes stellte sich mir natürlich die Frage, was ein Meister seiner Kunst jungen Nachwuchssportlern gerne mit auf den Weg geben würde. Darauf antwortete er: „Ein großes Ziel anvisieren und dann kleine Zwischenziele festlegen“. Sie sollen nicht aufgeben und es ist nicht schlimm, wenn es mal einen Schritt zurückgeht.
Das ist doch mal ein Rat, den sich jeder zu Herzen nehmen kann. Wir hoffen jedenfalls, dass
nicht nur viele weitere Profisportler mit Tino Kolitscher als Vorbild heranwachsen, sondern die
Unterstützung, die er erfahren durfte, für alle als Inspiration gilt, junge Menschen anzufeuern
und in ihren Träumen zu unterstützen. 

 

Swantje Paulsen

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