Schulgelderhöhung- Kein Entgegenkommen für Mitschüler aus ärmeren Familien?

Wahrscheinlich ist es jedem aufgefallen: Das Schulgeld wird von 95 Euro auf 135 Euro erhöht. Demnach handelt es sich um einen sehr sprunghaften Anstieg, der verschiedene Gründe hat und einige Probleme mit sich führt.

Unsere Schule gehört zur Edith-Stein-Schulstiftung, die acht Schulen in Sachsen-Anhalt betreibt. Diese Schulen erhalten ihr Geld unter anderem aus dem Schulgeld und zu einem nicht geringen Teil vom Land Sachsen-Anhalt. Allerdings bezahlt das Land Sachsen-Anhalt seit einigen Jahren zu wenig, um die Schulen zu finanzieren. Um alle Kosten zu decken, sollen jetzt die Familien mit Kindern an Schulen wie dem Elisabeth-Gymnasium das benötigte Geld aufbringen.

Grafik von Martina Vetter

Der Grund für die Erhöhung des Schulgelds ist somit zwar nachvollziehbar, bringt aber dennoch Schwierigkeiten mit sich. Für einige Familien ist die Erhöhung des Schulgelds um 40 Euro eine große Belastung, welche sich monatlich bemerkbar macht. Geringverdienende müssen deshalb in Zukunft auf Einiges in ihrem Leben verzichten, wenn sie jährlich 480 Euro mehr aufbringen müssen.

Ich habe bisher auch schon von manchen Schülern gehört, dass die Eltern darüber nachdenken, sie aufgrund der Schulgelderhöhung von der Schule zu nehmen. Zwar haben Vertreter der Edith-Stein-Schulstiftung bei einer öffentlichen Diskussion mit Eltern an unserer Schule versichert, dass kein Schüler wegen der Schulgelderhöhung von der Schule gehen muss, jedoch gibt es kaum Möglichkeiten seitens der Schulstiftung, um das zu verhindern. Alle Vorschläge der Eltern, ärmere Familien zu entlasten, wurden abgelehnt. Die Begründung lautete, dass man das Geld bräuchte, um den Schulbetrieb zu finanzieren und Projekte wie einen Neubau der St.-Mauritius-Sekundarschule und einer Turnhalle für diese und die St.-Franziskus-Grundschule zu ermöglichen. Ein Bauplan liegt schon seit Monaten vor, es fehlt aber bisher das Geld. Es scheint unvermeidbar, dass einige Eltern ihre Kinder auf staatliche Schulen schicken werden, da die Familien für das Schulgeld nicht auf Einiges verzichten wollen und können.

Es gab viele Ideen, wie solchen Familien entgegengekommen werden kann. Die beste Möglichkeit wäre ein nach Einkommen gestaffeltes Schulgeld. Das bedeutet, dass Eltern mit weniger Einkommen im Monat deutlich weniger als 135 Euro zahlen müssen, während Eltern mit sehr hohen Einkommen über 135 Euro zahlen. Die Edith-Stein-Schulstiftung lehnt diesen Vorschlag ab, da sie bei einer solchen Variante zwei zusätzliche Verwaltungsmitarbeiter bräuchte, die die Höhe des Schulgeldes für jede Familie anhand des Einkommens ermitteln. Außerdem ist es nicht möglich, Schulgeld über 150 Euro zu verlangen, was allerdings für besser verdienende Familien bei dieser Möglichkeit erforderlich wäre. Diese Regelung hat das Land Sachsen-Anhalt vorgegeben und ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar, da es für besserverdienende Familien tragbar wäre, 150 Euro oder mehr zu bezahlen.

Anstatt eines einkommenabhängigen Schulgelds wird es in Zukunft nur möglich sein, für gewisse Familien Ermäßigungen bereitzustellen. Zum einen betrifft das Eltern mit geringen Einkommen. Diese Möglichkeit klingt zwar gut, da das Problem der Belastung einkommensschwacher Familien scheinbar gelöst ist, jedoch ist eine solche Ermäßigung auf 10 Euro nur bei Familien möglich, die ein Einkommen auf Hartz-IV-Niveau haben. Die Grenze für diese Ermäßigung liegt nämlich so tief, dass arbeitende Eltern mit sehr geringem Einkommen in der Regel trotzdem 135 Euro zahlen müssen und somit deutlich belastet werden. Selbst wenn der Lohn niedrig genug wäre, heißt das noch lange nicht, dass die Familie unter der Grenze liegt. Denn auch staatliche Unterstützung wie Kindergeld wird zum Familieneinkommen gerechnet. Die Schulstiftung meint, dass man die Grenze nicht höher legen könne, da die Kosten sonst nicht gedeckt werden könnten. Es wird trotzdem die Möglichkeit geben, einen Antrag auf Ermäßigung zu stellen, wenn man über der Grenze liegt. Bisher gibt es aber keine Informationen darüber, bei welchen Einkommen ein solcher Antrag genehmigt werden wird.

Zum anderen können Eltern mit mehreren Kindern an Schulen der Edith-Stein-Schulstiftung eine Ermäßigung bekommen. Dafür müssen sie einen Antrag stellen, der aber nicht mit dem Brief zur Schulgelderhöhung beilag. Dieses Verhalten erweckt schon den Anschein, dass die Schulstiftung darauf abzielt, dass einige Eltern den Antrag nicht aus dem Internet suchen, sondern keinen Antrag auf Ermäßigung stellen. Zudem wird von der Schulstiftung nicht berücksichtigt, dass einige Eltern für Geschwister in Kindergärten et cetera auch viele Ausgaben haben. Diese Eltern bekommen keine Ermäßigung, da nur Geschwister auf einer Schule der Edith-Stein-Schulstiftung gelten.

Insgesamt wird deutlich, dass die Schulgelderhöhung für alle geringverdienenden Eltern eine Belastung sein wird und nicht alle Eltern Ermäßigungen erhalten, die es bräuchten. Möglicherweise werden nur wenige wegen der Erhöhung die Schule wechseln müssen, jedoch wird es für die nachfolgenden Klassen abschreckend sein, dass das Schulgeld so hoch ist. Dadurch ist es möglich, dass neue Schüler fast ausschließlich aus reicheren Familien kommen, für die die 135 Euro Schulgeld keine Belastung sind. Für mich ist es auch nicht nachvollziehbar, warum die Anhebung des Schulgelds nicht nach und nach passierte anstatt so sprunghaft um 40 Euro. Die Edith-Stein-Schulstiftung wusste schon seit mehreren Jahren, dass eine Erhöhung nötig sein wird.

In Zukunft wird sich zeigen, wie sich die Schulgelderhöhung bemerkbar macht. Hoffentlich sorgt auch die Unterschriftensammlung online dafür, dass weiter Aufmerksamkeit erregt wird und die Landesregierung mehr Geld für Schulen wie das Elisabeth-Gymnasium freimacht.

 

Unterschriftensammlung, um die Entlastung ärmerer Familien zu ermöglichen:
https://www.openpetition.de/petition/online/mehr-finanzielle-unterstuetzung-fuer-schulen-in-freier-traegerschaft-vom-land-sachsen-anhalt

Dominik Haberland, 10c

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