Warum haben eigentlich alle diese Taizé-Ketten?

Jedes Jahr reisen hunderttausende Jugendliche in ein französisches Dorf namens Taizé, um dort ihren Glauben und/oder sich selbst zu finden. Auch aus unserer Schule fahren jedes Jahr ungefähr 20 Zehnt- und Elftklässler mit Frau Thurn und SchülerInnen der Latina zu diesem besonderen Ort. Alle, die noch nie in Taizé waren, haben hingegen viele Fragen und einige Vorurteile. Acht davon hat die EliZE für euch geprüft und beantwortet:

1.„Warum sollte ich dahin?“

Taizé ist ein Ort der Begegnung für Menschen aus der ganzen Welt. Man redet und singt miteinander und redet über Gott und die Welt. Vor allem aber hat man Zeit, um zu sich selbst zu finden. Denn Taizé ist weit weg vom alltäglichen Stress und eine eigene Welt für sich. Man lernt viele neue Menschen kennen oder unternimmt etwas mit seinen Freunden aus der Heimat. Außerdem ist die Landschaft um das kleine Dorf wunderschön. Nicht nur deshalb hat es sich für mich wie Urlaub mit Freunden und ganz vielen anderen tollen und unglaublich freundlichen Menschen angefühlt.

Also warum solltest du nicht hin?

Das Dorf Taizé und die vielen Felder und Kuhweiden außerhalb des Hauptgeländes laden zu Spaziergängen ein. (Foto: Carla Moritz)

2.„Klingt irgendwie wie eine Sekte“

Gemeinschaft ist eines der Grundprinzipien Taizés, dennoch ist man auch sehr frei und es gibt nur wenige Regeln. Taizé ist keine Sekte sondern eine Gemeinschaft von Brüdern, die ihre Tore der ganzen Welt geöffnet haben- man kann es sich kaum weltoffener und internationaler vorstellen.

3.„Das ist nichts für mich: Ich bin nicht gläubig.“

Taizé ist offen für alle, die sich auf das Konzept einlassen wollen. Ob man gläubig ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Besonders unter den Jugendlichen sind sich viele nicht sicher über ihren Glauben. Es ist sehr interessant, sich darüber auszutauschen. In den Gesprächsgruppen geht es aber auch viel um weltliche Themen, wie zum Beispiel Trauer und Freude, Angst, Mitleid, Ungerechtigkeit, Familie und Freunde. Auch um am Gottesdienst teilzunehmen, muss man nicht an Gott glauben. Denn die Gemeinschaft, die zum Beispiel durch das gemeinsame Singen entsteht, kann auch für nicht-gläubige ein schönes Erlebnis sein.

4.„Manche schweigen die ganze Zeit.“

Es gibt tatsächlich die Möglichkeit, eine Woche (ab 18 Jahren) oder ein Wochenende in Stille bei den Brüdern oder Schwestern zu verbringen. Die Teilnehmer der „Week of Silence“ oder des „Weekend in Silence“ wohnen in anderen Zimmern und haben ihr eigenes Essen und Programm.

5.„Das Essen ist schrecklich und man lebt im eigenen Dreck.“

In Taizé lebt man sehr einfach, aber das ist für eine Woche mal gar nicht so schlecht. Uns wurde das Essen im Vorhinein als sehr eklig angepriesen. Letztendlich hat uns die Verpflegung aber positiv überrascht. Vor allem, wenn man sich überlegt, dass die Arbeitsgruppe-Kochen (in Taizé hilft jeder irgendwo mit) jeden Mittag und Abend 1000 bis 6000 Menschen versorgt. Das Mittag- und Abendessen bestehen aus einem Hauptgericht (meist nur ein bis zwei Komponenten), Baguette, Jogurt oder Käse, Früchten und Keksen oder Kuchen…typisch französisch. Allerdings sind die Portionen sehr klein. Die Gemeinschaft Taizé will dadurch verhindern, dass viel Essen weggeworfen wird. Wer schnell ist, kann sich aber bei einem „Extra-Food“-Tisch Nachschlag holen. Ein besonderes Highlight ist das Frühstück. Brötchen mit Butter und zwei Schokoladenreihen klingt zwar sehr einfach, schmeckt aber himmlisch, und ich vermisse es tatsächlich ein bisschen.

Die Unterkünfte sind ebenfalls sehr einfach: große Zimmer, viele Betten, dünne Matratzen… aber dort hält man sich eh nur zum Schlafen auf. Auch die Sauberkeit war nicht so schlimm wie wir erwartet hatten. Alle Duschen und Toiletten werden zweimal täglich gründlich sauber gemacht. Trotzdem sind die Bäder natürlich sehr einfach und schon etwas älter. Aber das hält man für eine Woche definitiv aus.

Die Zimmer in den Baracken sind neben dem Zelten eine Möglichkeit, um in Taizé zu übernachten. (Foto: Anabell Hutterer)
Der Essbereich vor dem großen Ansturm… im Hintergrund sieht man den Glockenturm. (Foto: Carla Moritz)

6.„Man muss dauernd in die Kirche“

Ja, das kann man so sagen, auch wenn in Taizé niemand zu irgendwas gezwungen wird. Die Gebete und Gottesdienste finden dreimal am Tag statt. Da sie aber ganz anders als herkömmliche Gottesdienste sind, habe ich sie immer sehr genossen. Einen großen Teil bilden die Lieder auf vielen verschiedenen Sprachen. Sie haben meist nur wenige Zeilen und werden mehrfach wiederholt. Darauf muss man sich einlassen aber es ist ein tolles Gefühl, wenn man schon nach einigen Tagen ohne Liedheft mitsingen kann. Weitere wichtige Bestandteile sind die Lesung und die Stille, während jeder beten, nachdenken oder einfach nur zur Ruhe kommen kann.

Besonders gut gefallen haben mir die Lichtergottesdienste, die jeden Samstag stattfinden. Jeder hat eine kleine Kerze, und nach und nach wird die ganze Kirche in Licht getaucht.

7.„Für Taizé muss man Französisch können.“

Definitiv nicht. Die wenigsten Menschen in Taizé – ob kurzfristige oder langfristige Besucher – kommen aus Frankreich. Und sogar die Franzosen weigerten sich, französisch zu sprechen. Die Gottesdienste finden in ganz verschiedenen Sprachen statt, sodass manchmal jede Fürbitte in einer anderen Sprache vorgetragen wird. In den Gesprächsgruppen wird hingegen meist Englisch gesprochen.

In Taizé ist eine Mischung aus vielen Sprachen Normalität. (Foto: Christian Pulfrich [Lizenz: CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons])

8.„Gibt es diese Ketten kostenlos oder warum laufen alle damit rum?“

Die Taizé-Ketten werden von einigen der Brüder angefertigt und im Werkstatt-Verkauf „Expostition“ angeboten. Das typische Taizé-Kreuz vereint dabei die Symbole Kreuz und Taube. Die Ketten sind allerdings weder kostenlos noch Pflicht, sondern einfach ein beliebtes Andenken an eine besondere Woche.

Carla Moritz, 12e

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