Zack: Armenien – Ein Interview

Maja Liebmann und Alfred Cyranka sind die Botschafter unserer Schule für den neuen Armenienaustausch. Die beiden Elftklässler reisten Anfang April mit einer Delegation nach Armenien, um die Partnerschule kennenzulernen und dem Projekt einen offiziellen Start zu geben. Auf der Schul-Homepage berichten sie über den Ablauf der Reise und ihre Eindrücke. Die EliZE hat nochmal genauer nachgefragt:

Einer eurer Aufgaben ist es ja, unsere Schule beim Armenienaustausch offiziell zu vertreten. Wie war es, eine so wichtige Aufgabe zu haben, oder hat man das nicht wahrgenommen?

Alfred: Naja, teilweise hat man es wahrgenommen. Aber es waren einfach insgesamt so viele Eindrücke, dass ich mich gar nicht so auf meine Rolle versteift habe. Als wir zum Beispiel in der armenischen Schule waren, haben wir einfach was über unsere Schule und unsere Stadt erzählt. Da habe ich mich jetzt nicht so als extremer Repräsentant gefühlt. Aber als wir beim armenischen Botschafter saßen, war es schon anders. Das war schon so ein offizielles Gebäude und sah alles formell und ordentlich aus. Da hat man sich dann schon sehr offiziell gefühlt.

Maja: Ich finde, man hat es auch an der Gruppe gemerkt. Wenn der Austausch stattfindet, dann sind das ja hauptsächlich junge Leute. Aber jetzt bei der Delegation waren auch viele Repräsentanten z.B. vom Bildungsministerium und vom Landesministerium dabei.

Alfred: Ja, die waren auf jeden Fall älter als wir.

Habt ihr dann auch viel mit den erwachsenen Repräsentanten gemacht? Wie war das so?

(beide lachen)
Alfred: Ja, wir waren bei den Ausflügen eigentlich immer alle zusammen in der Gruppe unterwegs. Nur manchmal hatten wir andere Programmpunkte, z.B. wenn die anderen bei irgendeinem Gespräch waren.

Maja: Aber wir hatten trotzdem auch Freizeit. Zum Beispiel abends sind Alfred und ich alleine raus gegangen oder am Flughafen waren wir auch selbstständig unterwegs. Ich fand halt echt cool, dass die Lehrer nicht versucht haben uns zu bemuttern. Sie haben ein kleines bisschen diese Lehrerrolle abgelegt.

Was hattet ihr für Erwartungen an Armenien und die Reise? Haben sie sich bewahrheitet oder hat euch viel überrascht?

Alfred: Ehrlich gesagt, hatte ich kaum Erwartungen. Ich hab zwar von meiner Mutter ein paar Sachen über Armenien gehört und gesehen. Aber es war jetzt nicht so, dass ich ein Bild von dem Land im Kopf hatte. Es war einfach nicht so vorstellbar, wie wenn man nach Italien fährt, und weiß wie es dort wahrscheinlich aussieht. Bei Armenien hatte ich halt überhaupt keine Ahnung. Aber ich war auf jeden Fall positiv überrascht, dass es zwar schon viele Ähnlichkeiten zu Deutschland gibt, aber trotzdem so viele Unterschiede. Es war auf jeden Fall sehr interessant das mal zu sehen, weil es mal komplett was Neues für mich war.

Maja: …für mich auch. Also ich hab es mir am Anfang ein kleines bisschen wie Russland vorgestellt und man hat schon extreme Abhängigkeiten zu Russland gemerkt. Aber es war irgendwie wie ein Mix aus Russland und irgendwas Orientalischem- das ist dann so Zack: Armenien. Das hatte ich eigentlich nicht erwartet. Aber ich war auch, wie Alfred, positiv überrascht.

Der Titel eures Berichts war ja auch „Das ELG im europäischen Asien“

Maja (lacht): Ich glaube den Titel hat sich Frau Model überlegt. Wir hatten eigentlich als Überschrift „Das Eis ist gebrochen“.

Alfred: Ja genau, es ging uns bei „Das Eis ist gebrochen“ eben darum, dass wir uns sofort willkommen gefühlt haben und so herzlich empfangen wurden. Frau Model meinte auch, dass das Eis mit der Schule dann gebrochen war, weil wir alle Kontakte geknüpft haben und super dicke miteinander waren. Und so war es letztendlich wirklich.

Maja: Das kann man ja vielleicht auch nochmal sagen, wie toll wir da empfangen wurden. Am ersten Tag wurde uns die Schule gezeigt und wir haben unsere Schule präsentiert und dann am Abend haben die uns gleich zum Grillen eingeladen. Dann stand da der Schulleiter im Jogginganzug und hat am Grill seine Spieße gedreht und wollte mir dann sogar seine Jacke schenken, sowas alles. Also die waren wirklich extrem gastfreundlich und offenherzig!

© Maja Liebmann: Beim Grillen mit dem Schulleiter und den Schülern

Alfred: Man merkt auch gar nicht so stark an den Persönlichkeiten, dass die Leute insgesamt weniger haben, weil sie so gerne teilen.

Maja: Sie waren manchmal schon so gastfreundlich, dass es uns unangenehm war. Wenn sie z.B. alles für uns bezahlen wollten

Alfred: …ja, da kam man sich schon manchmal bisschen komisch vor. Aber im Endeffekt ist das bei ihnen halt so. Ich denke, wenn man genauso handhabt, wenn sie hier sind, ist es ja auch gerecht.

Maja: Die Schule hat einen künstlerischen Zweig und die haben uns einfach so einen Teppich geschenkt. (lacht)

Warum denkt ihr, dass dieses Austauschprogramm mit Armenien wichtig ist?

Maja: Ich glaube, dass man sonst nicht so richtig die Möglichkeit hat, Armenien kennenzulernen. Austausche sind ja immer schon deshalb großartig, weil du die Menschen und Familien richtig kennenlernst. Wenn man zum Beispiel mit seiner Familie oder Freunden nach Italien fährt, bemerkt man die Kultur zwar schon teilweise, wenn man auf die Straße geht, aber wenn du alleine in einer Gastfamilie wohnst, lernst du die Kultur ganz anders kennen.
Außerdem ist Armenien kein Land wo man sich denkt: ‚Ich hab zwei Wochen frei- ich fahr nach… Armenien.‘ (lacht)

Alfred: Es ist halt auch mal ein Kontrast zu den Ländern, wo man sonst hinfährt. In Armenien hat man eine komplett andere Perspektive und wenn man das mal reflektiert, ändert sich auch ein bisschen das eigene Weltbild. Ich denke, das ist einfach eine große Möglichkeit: Armenien als Repräsentant einer nicht-westlichen Kultur kennenzulernen.

Würdet ihr dann jetzt auch nach Armenien in den Urlaub fahren?

Maja: Tatsächlich ja.

Alfred: Ich hab im Nachhinein auch gesagt, dass ich auf jeden Fall nochmal hin will, weil ich mir das Meiste nochmal gerne in Ruhe und länger angeschaut hätte. Ich würde es auch gerne anderen Menschen, die mir nah stehen zeigen.

Maja: Jo, ich hätte auch voll Lust mit Freunden hinzufahren, auch weil es geld-technisch machbar ist. Ich hätte aber auch voll Bock, die armenischen Mädchen wiederzusehen, weil die so nett und herzlich waren und uns mit so offenen Armen aufgenommen haben.

Dann vielen Dank für das Interview!

Carla Moritz,11e

Titelbild: © Maja Liebmann: Der Ararat… Das Wahrzeichen und der Stolz der Armenier, auch wenn er heute auf türkischem Boden ist

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